An die Väter

Kolumne von Detmar Hauke - CBZ Nr. 15 vom 09.04.2002

 

Wer suchet, der findet. Ein sehr alter Spruch, der aber stimmt. Ich suchte etwas ganz anderes, fand unerwartet Lesenswertes in der Homepage des CFCB. Das ist die Abkürzung für "Computerfreunde Costa Blanca". Da erwartet man eigentlich nur Fachchinesisch aus der Cyberwelt und findet das Gegenteil. Die Überschrift lässt so etwas wie eine Sonntagspredigt oder Ratschläge für die Gestaltung des Vatertages vermuten.

Ich habe die Zeilen einem bayerischen Lehrer vorgelegt. Er machte hier verregneten Osterurlaub, las den Artikel und versicherte, ihn zu Hause vergrößern zu lassen und im Lehrerzimmer seiner Schule gut sichtbar auszuhängen. Den Autor hatte ich verschwiegen, was dem Pauker zunächst auch egal war. Er war derart angetan von dem Inhalt, der seiner Meinung nach genau das wiedergibt, was sich heutzutage an vielen Schulen und in der modernen Gesellschaft abspielt. Aber lesen Sie selbst, was an die Väter, an alle Älteren, gerichtet ist.

 

"Wohlan, mein lieber Freund, wie steht es mit der Diktatur ? Löst sich die Demokratie selber auf durch eine gewisse Unersättlichkeit in der Freiheit ? 

Wenn sich die Väter daran gewöhnen, ihre Kinder einfach gewähren und laufen zu lassen, wie sie wollen, und sich geradezu fürchten, vor ihren erwachsenen Kindern ein Wort zu reden, oder wenn Söhne schon so sein wollen wie die Väter, also ihre Eltern weder scheuen noch sich um ihre Worte kümmern, sich nichts mehr sagen lassen wollen, um ja recht erwachsen und selbständig zu erscheinen; und auch die Lehrer zittern bei solchen Verhältnissen vor ihren Schülern und schmeicheln ihnen lieber, statt sie sicher und mit starker Hand auf einen geraden Weg zu führen. Überhaupt sind wir schon so weit, dass sich die Jüngeren den Älteren gleichstellen, ja gegen sie auftreten in Wort und Tat, die Alten aber setzen sich unter die Jungen und suchen sich ihnen gefällig zu machen, indem sie ihre Albernheiten und Ungehörigkeiten übersehen oder gar daran teilnehmen, damit sie ja nicht den Anschein erwecken, als seinen sie Spielverderber oder auf Autorität versessen. 

Auf diese Weise wird die Seele und die Widerstandskraft aller Jungen allmählich mürbe. Sie werden aufsässig und können es schließlich nicht mehr ertragen, wenn man nur ein klein wenig Unterordnung von ihnen verlangt. Am Ende verachten sie dann auch die Gesetze, weil sie niemand und nichts mehr als Herrn über sich anerkennen wollen. Und das ist der schöne, jugendfrohe Anfang der Tyrannei."


Starker Tobak. Aber es scheint, als habe der Autor gar nicht mal so unrecht. Das klingt logisch und passt genau in unsere Zeit, in der es die Demokratie durch falsch verstandene Freiheit, Ignoranz der Spielregeln und rabiaten Egoismus vielerorts zunehmend schwer hat. Bestechliche Politiker machen da kräftig mit, sind schlechte Vorbilder. Der Verfasser der Zeilen weiß wovon er spricht. Trotz Beatlefrisur und Bart gibt er sich geradezu seherisch. Der Grieche war ein glühender Verfechter der Freiheit, der Demokratie. Er lebte vor 2400 Jahren, hieß Platon und war Schüler des Sokrates.