|
Ich glaube, das
muss man gelesen haben. Es passt in unsere Zeit.
Alexandros

Aus „Politeia“ ( 400 v. Chr. )
von Platon ( 427 – 347 v. Chr. ) - Schüler des Sokrates
An die Väter
Wohlan, mein lieber Freund, wie steht es mit der Diktatur ? Löst sich
die Demokratie selber auf durch eine gewisse Unersättlichkeit in der
Freiheit ?
Wenn sich die Väter daran gewöhnen, ihre Kinder einfach gewähren und
laufen zu lassen, wie sie wollen, und sich geradezu fürchten, vor ihren
erwachsenen Kindern ein Wort zu reden, oder wenn Söhne schon so sein
wollen wie die Väter, also ihre Eltern weder scheuen noch sich um ihre
Worte kümmern, sich nichts mehr sagen lassen wollen, um ja recht
erwachsen und selbständig zu erscheinen; und auch die Lehrer zittern bei
solchen Verhältnissen vor ihren Schülern und schmeicheln ihnen lieber,
statt sie sicher und mit starker Hand auf einen geraden Weg zu führen.
Überhaupt sind wir schon so weit, dass sich die Jüngeren den Älteren
gleichstellen, ja gegen sie auftreten in Wort und Tat, die Alten aber
setzen sich unter die Jungen und suchen sich ihnen gefällig zu machen,
indem sie ihre Albernheiten und Ungehörigkeiten übersehen oder gar daran
teilnehmen, damit sie ja nicht den Anschein erwecken, als seinen sie
Spielverderber oder auf Autorität versessen.
Auf diese Weise wird die Seele und die Widerstandskraft aller Jungen
allmählich mürbe. Sie werden aufsässig und können es schließlich nicht
mehr ertragen, wenn man nur ein klein wenig Unterordnung von ihnen
verlangt. Am Ende verachten sie dann auch die Gesetze, weil sie niemand
und nichts mehr als Herrn über sich anerkennen wollen. Und das ist der
schöne, jugendfrohe Anfang der Tyrannei.
***** |